8. Februar 2026
Digitalisierung im Mittelstand 2026: Wo stehen wir wirklich?
Zwischen Cloud-Euphorie und Excel-Realität: Eine ehrliche Bestandsaufnahme der Digitalisierung im deutschen Mittelstand — und was jetzt wirklich hilft.
Von PISTA Consulting
Die Lücke zwischen Anspruch und Realität
Jede Studie, jeder Verband und jede Regierung redet von Digitalisierung. Und trotzdem sitzt der Geschäftsführer eines 50-Mitarbeiter-Betriebs freitagabends da und tippt Rechnungen in Excel. Wie kann das sein?
Die Antwort ist unbequem, aber ehrlich: Viele Digitalisierungsinitiativen scheitern nicht an der Technik, sondern an der Umsetzung. Es werden große Strategien geschrieben, aber im Alltag fehlt die Zeit, das Budget oder — am häufigsten — der konkrete erste Schritt.
Wo der Mittelstand 2026 wirklich steht
Die Spitzengruppe (ca. 20%)
Diese Unternehmen haben ein funktionierendes ERP-System, digitale Prozesse und nutzen Daten für Entscheidungen. Sie profitieren von schnelleren Abläufen, besserer Transparenz und können schneller auf Marktveränderungen reagieren.
Die Mitte (ca. 50%)
Das Gros des Mittelstands. Ein paar digitale Tools sind im Einsatz — vielleicht ein Cloud-Buchhaltungstool, ein einfaches CRM, Microsoft 365. Aber die Systeme sprechen nicht miteinander. Daten werden manuell zwischen Tools kopiert. Und für jeden Sonderprozess gibt es eine Excel-Tabelle.
Die Nachzügler (ca. 30%)
Papierbasierte Prozesse, Word-Angebote, Excel-Lagerlisten, handschriftliche Stundenzettel. Nicht aus Überzeugung, sondern weil der Leidensdruck noch nicht groß genug war — oder weil ein gescheiterter Digitalisierungsversuch Narben hinterlassen hat.
Warum viele Digitalisierungsprojekte scheitern
1. Zu groß gedacht
„Wir digitalisieren alles” ist kein Plan, sondern ein Vorsatz. Wie Neujahrsvorsätze enden solche Projekte meist im März. Erfolgreiche Digitalisierung beginnt mit einem konkreten Problem und einer konkreten Lösung.
2. Falsche Reihenfolge
Viele Unternehmen wollen mit KI und Automatisierung starten, bevor sie ihre Grundprozesse digital abgebildet haben. Das ist, als würde man ein Smart Home planen, bevor die Elektrik steht.
3. Kein interner Champion
Digitalisierung braucht jemanden, der es vorantreibt — und der den Rückhalt der Geschäftsführung hat. Ohne diesen internen Champion versandet jede Initiative nach den ersten Widerständen.
4. Der falsche Partner
Ein IT-Dienstleister, der nur Technik kann, wird scheitern. Was mittelständische Unternehmen brauchen, ist ein Partner, der Prozesse versteht, Branchenkenntnis mitbringt und ehrlich sagt, wann etwas keinen Sinn macht.
Was 2026 wirklich hilft
Klein anfangen, schnell Ergebnisse zeigen
Statt eines 18-monatigen Digitalisierungsprogramms: Einen Prozess digitalisieren, Ergebnisse zeigen, Vertrauen aufbauen, nächsten Prozess angehen. Die meisten erfolgreichen ERP-Einführungen, die wir begleitet haben, starteten mit 2–3 Modulen und wurden schrittweise erweitert.
Systeme verbinden statt ersetzen
Nicht alles muss neu. Manchmal ist die richtige Lösung, bestehende Tools über Schnittstellen zu verbinden, statt alles auf einmal zu ersetzen. Moderne ERP-Systeme wie Odoo bieten offene APIs, die Integration mit bestehenden Tools ermöglichen.
Menschen mitnehmen
Die beste Software nützt nichts, wenn sie keiner nutzt. Investieren Sie genauso viel in Schulung und Change Management wie in die Software selbst. Binden Sie Mitarbeiter frühzeitig ein — nicht als Zuschauer, sondern als Mitgestalter.
Ehrlich bilanzieren
Was bringt die Digitalisierung konkret? Weniger Verwaltungsaufwand? Schnellere Angebotserstellung? Bessere Kundentransparenz? Definieren Sie vorher, was sich verbessern soll — und messen Sie nach.
Fazit
Die Digitalisierung im Mittelstand ist kein Sprint, sondern ein Marathon. Und die gute Nachricht: Sie müssen nicht die schnellsten sein. Sie müssen nur anfangen — mit dem richtigen ersten Schritt, dem richtigen Partner und realistischen Erwartungen.